Wer nach Berlin kommt, fängt in der Regel klein an – beruflich, aber auch in Sachen Unterkunft. Das gilt auch für Noriko Kato. Als die Japanerin vor 15 Jahren zum ersten Mal nach Berlin kam, lebte sie anfangs in einer Wohngemeinschaft in Kreuzberg. Später zog es sie in eine Wohnung nach Charlottenburg. Seit drei Jahren lebt sie im zehnten Stock eines vornehmen Hochhauses, unmittelbar am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte.
Ein Aufstieg, im wahrsten Sinne des Wortes. Die 46-jährige Modelistin und Modedesignerin hat es nach langen, intensiven Berufsjahren in Europa geschafft, sich erfolgreich zu positionieren. Sie unterrichtet heute an der international angesehenen Modeschule Esmod das Fach Modelismus – also, wie man Schnitte fertigt und Bekleidung realisiert. Bis vor kurzem pendelte sie nach Paris zur Modegröße Nina Ricci, bei der sie als Modelistin tätig war. Derzeit ist ihr Augenmerk mehr auf die Berliner Modeszene gerichtet. Sie unterstützt die Berliner Musikerin und Djane Ellen Allien bei der Entwicklung ihrer Kollektion, diverse private Kunden und betreibt dazu noch ihr eigenes Label „Moon Drop“. Mit ihrer Kollektion, gefertigt aus antiken Kimonos in neuem Schnittgewand und den Einflüssen aus der Faltkunst Origami, verbindet Noriko Kato Tradition mit Moderne. Von der Tragbarkeit ihrer Mode kann man sich hautnah überzeugen: Sie trägt ein knielanges Kimonokleid, versehen mit einer weiteren Lage Stoff. Das kurzärmelige Oberteil indes ist – in Anlehnung an Origami – kunstvoll in Falten gelegt.
Mittlerweile ist Noriko Kato in Berlin zuhause. „Seit ein paar Jahren entwickelt sich Berlin zu einer Modestadt“, sagt sie. An den Deutschen schätzt sie, dass diese sich nicht bedingungslos dem Mode-Diktat unterwerfen. „Japaner brauchen ständig etwa Neues. Wenn der Mini wieder ‚in’ ist, tragen alles Mini. Den Deutschen ist das ziemlich egal.“ Berlin, das ist für die Modedesignerin entspanntes Lebensgefühl, das gedankliche und räumliche Freiräume biete. Einsam fühlen muss man sich als Japaner nicht. Die japanische Community sei überschaubar: „Man kennt sich, trifft sich auf Konzerten, Ausstellungseröffnungen oder Partys“. Manchmal vergisst Noriko Kato, dass sie Japanerin ist. Berlin macht es ihr einfach. „Gelegentlich fragen mich Leute nach dem Weg.“ Nur manchmal, wenn ihre Studenten allzu verkopft an ihre Entwürfe herangehen, spüre sie die kulturellen Unterschiede. „Dann sage ich: Mode sind Gefühle. In der kreativen Arbeit gibt es nie den einen, richtigen Weg.“














